Detailbeschreibung
Weißwein · Vino de Pasto · Palomino
Der Raúl Moreno El Propósito 2023 ist ein Vino de Pasto aus Palomino von über hundertjährigen Reben im Pago Miraflores Alto in Sanlúcar de Barrameda. Mit den Füßen getreten, sieben Tage mit ganzen Trauben auf der Maische vergoren und acht Monate unter dem Flor gereift: ein unaufgespriteter Weißwein aus dem Sherry-Land, frisch und geradlinig, mit salziger Mineralität und knackiger Säure.
Pago Miraflores Alto – alte Reben auf Albariza
Der Pago Miraflores gehört zu den bekanntesten Lagen von Sanlúcar de Barrameda, nur wenige Kilometer von der Atlantikküste und der Mündung des Guadalquivir entfernt. Die Reben stehen auf Albariza, dem weißen Kalkmergel des Marco de Jerez mit rund 30 bis 40 Prozent Kalkanteil. Der Boden speichert die Winterfeuchte unter einer verkrusteten Oberfläche und gibt sie über den regenlosen Sommer an die Wurzeln ab; die helle Farbe reflektiert die Sonne und hält die Rebzone kühler.
Die Parzelle für El Propósito liegt im höheren Teil der Lage, Miraflores Alto, und ist nach Norden ausgerichtet – im heißen Andalusien die kühlste denkbare Exposition. Dazu kommt der feuchte Westwind Poniente vom Atlantik, der die Nächte abkühlt. Die Reben sind über hundert Jahre alt, tragen wenig und wurzeln tief genug, um auch in Trockenjahren an Wasser zu kommen.
Vino de Pasto bezeichnet die historische Form des Weins aus dieser Region: Palomino, der nicht aufgespritet wird, sondern als Tischwein getrunken – bevor sich im 19. Jahrhundert der Sherry als Exportprodukt durchsetzte. Raúl Moreno gehört zu der kleinen Gruppe von Winzern, die diese Tradition wiederbeleben und zeigen, was die Albariza jenseits der Solera kann.
Jahrgang 2023 – Sanlúcar de Barrameda
Das Weinjahr 2023 war im Marco de Jerez erneut von Trockenheit geprägt. In den Lagen fielen zwischen 425 und 480 Litern je Quadratmeter, deutlich unter den rund 600 Litern eines normalen Jahres. Der Regen kam vor allem im Dezember und Januar; im Juni fielen noch einmal 40 bis 50 Liter, die die Wasserreserven im Boden auffrischten. Hier zeigte die Albariza ihren Wert: Sie hält Niederschlag über Monate fest. Hagel traf im Juni einzelne Lagen im Norden der Denominación, bei Trebujena und Lebrija, nicht aber Sanlúcar.
Die Lese lief vom 3. August bis zum 15. September. Insgesamt wurden im Marco de Jerez 49,9 Millionen Kilo Trauben verarbeitet, rund zwölf Prozent mehr als im besonders kleinen Vorjahr, aber weiter unter dem langjährigen Mittel. Das Lesegut war gesund. Für einen Wein aus Nordlage und alten Reben bedeutet das: moderate Mengen, erhaltene Säure – genau die Voraussetzung für einen Palomino, der ohne Aufspritung auskommen soll.
Fußtreten, ganze Trauben und acht Monate unter Flor
Reinsortiger Palomino (Clon 84) aus dem Jahrgang 2023, trocken. Die Trauben werden zwei bis drei Stunden mit den Füßen getreten – schonender als jede Presse, weil Kerne und Stiele dabei nicht zerbrechen. Es folgt eine siebentägige Maischegärung mit ganzen Trauben, ohne Entrappen und mit sehr sanfter Extraktion. Die Gärung startet spontan in offenen Behältern; gepresst wird noch vor ihrem Ende, damit der Schalenkontakt nicht zu viel Gerbstoff einbringt.
Danach reift der Wein acht Monate unter dem Flor, der Hefedecke, die auch Manzanilla und Fino prägt – in einer gebrauchten Manzanilla-Bota aus Eiche und in einem alten Bocoy aus Kastanienholz zu 600 Litern, in dem früher Amontillado lag. Die Hefe schirmt den Wein vom Sauerstoff ab und gibt ihm die salzig-hefige Note; die alten Fässer bringen eine leichte oxidative Tiefe mit, ohne die Frische zu überdecken. Aufgespritet wird nicht – das unterscheidet El Propósito von jedem Sherry.
Im Glas
Helles Gold mit leichtem Schimmer aus dem Schalenkontakt. In der Nase Kamille, Mandel und ein hefig-salziger Ton aus der Florzeit, dahinter gelber Apfel und Zitrusschale.
Am Gaumen geradlinig und schlank gebaut, mit knackiger Säure und einer salzigen Ader, die bis in den Abgang trägt. Die Maischegärung gibt eine feine Griffigkeit, die alten Fässer einen Hauch Würze und Tiefe. Frische und Herkunft stehen im Vordergrund, nicht die Kraft.
Palomino unter Flor, aber ohne Aufspritung: So schmeckte Sanlúcar, bevor es Sherry gab.
Bei 11–13 °C servieren, nicht kälter, in einem Weißweinglas. Nach einer Viertelstunde öffnet sich der Wein deutlich. Trinkreif, mit Reserve für einige Jahre.
Am Tisch
Zu Meeresfrüchten und gebratenem Fisch, zu Jamón und Mandeln, zu Tortilla und Tapas sowie zu eingelegtem Gemüse und Oliven. Die salzige Ader und die Griffigkeit aus der Maischegärung tragen auch Schwierigeres: Artischocken, Spargel, Eintöpfe mit Kichererbsen – Gerichte, an denen die meisten Weißweine scheitern.