Die DO Jumilla trägt den Namen einer Stadt in der Región de Murcia, liegt aber zum größeren Teil gar nicht dort: Von den sieben Gemeinden der Herkunft liegt eine in Murcia und sechs in der Provinz Albacete, und auf diese sechs entfallen knapp achtundfünfzig Prozent der Rebfläche. Insgesamt sind gut 20.300 Hektar eingetragen, bewirtschaftet von rund 1.400 Winzern; achtunddreißig Bodegas füllen ab. Die Weinberge liegen zwischen 320 und 900 Metern auf mageren, steinigen Kalkböden, und es regnet um die dreihundert Millimeter im Jahr — Werte, bei denen anderswo kein Weinbau mehr stattfände. Getragen wird das alles von einer einzigen Sorte: Monastrell, in Frankreich Mourvèdre, in Katalonien und Australien Mataró. Und die Reblaus kam hier später an als fast überall sonst in Spanien, was bis heute Folgen hat. Wer aus Jumilla eine Flasche im Regal stehen hat, hält mit hoher Wahrscheinlichkeit einen reinsortigen Monastrell in der Hand.
Sechs von sieben Gemeinden liegen in Albacete
Die Herkunft heißt nach Jumilla, und Jumilla liegt in der Región de Murcia — das ist alles, was viele Beschreibungen dazu sagen. Tatsächlich umfasst das Gebiet laut Lastenheft sieben Gemeinden, und nur eine davon ist Jumilla selbst. Die anderen sechs — Fuente-Álamo, Albatana, Ontur, Hellín, Tobarra und Montealegre del Castillo — liegen in der Provinz Albacete und damit in Castilla-La Mancha. Nach der Gemeindestatistik des Kontrollrats für die Kampagne 2023/24 entfallen 8.494 Hektar auf Jumilla und 11.837 auf die sechs Albacete-Gemeinden; allein Montealegre del Castillo bringt 4.613 Hektar mit. Eine Herkunft, zwei autonome Gemeinschaften — und ein Name, der für eine einzige von sieben Gemeinden steht. Verwaltet wird das Ganze von einem gemeinsamen Kontrollrat mit Sitz in Jumilla.
Nicht 85, sondern 70 Prozent Monastrell
Der Anteil der Leitsorte wird regelmäßig zu hoch angesetzt. Nach der aktuellen Statistik des Kontrollrats steht Monastrell auf siebzig Prozent der Rebfläche; rote Sorten kommen zusammen auf fünfundneunzig, weiße auf fünf Prozent. Die Sorte heißt in Frankreich Mourvèdre und in Katalonien wie in Australien Mataró — beide Namen gehen auf spanische Orte zurück, Mourvèdre auf Murviedro, das heutige Sagunto bei Valencia, Mataró auf die katalanische Stadt gleichen Namens. Dort, bei Sagunto, wird auch der Ursprung der Sorte vermutet. Monastrell reift spät, braucht Wärme und Trockenheit und gibt tanninreiche, dunkle Weine mit spürbarem Alkohol. Spanienweit steht sie auf rund 32.900 Hektar und ist damit die fünftwichtigste rote Sorte des Landes.
Airén, Merseguera und der Rest der Sortenliste
Die Sortenliste der Herkunft ist länger, als die üblichen Beschreibungen vermuten lassen. Rot zugelassen sind neben Monastrell die Garnacha Tintorera, die Garnacha Tinta, Cencibel — so heißt hier der Tempranillo —, Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Petit Verdot. Weiß zugelassen sind Airén, Macabeo, Pedro Ximénez, Malvasía, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Moscatel de Grano Menudo, Verdejo, Merseguera und Viognier. Airén ist also weiterhin erlaubt, und Merseguera und Viognier stehen ebenfalls im Lastenheft — beide fehlen in fast jeder Beschreibung der Region. Die Garnacha Tintorera ist übrigens nicht mit der Garnacha Tinta verwandt, sondern die Leitsorte des benachbarten Almansa.
320 bis 900 Meter, Kalk und wenig Regen
Das Lastenheft beschreibt die Bedingungen knapp: Die Rebflächen liegen zwischen 320 und 900 Metern über dem Meer, die Böden sind braun bis rotbraun, kalkhaltiger Natur, von lehmig-sandiger Textur, locker und steinig. Nährstoffreich ist hier nichts. Nach Angaben der Herkunft fallen im Jahr rund dreihundert Millimeter Niederschlag bei über dreitausend Sonnenstunden — semiarid, mit sehr heißen Sommern und kalten Wintern. Was die Region trotzdem trägt, ist die Höhe: Dreihundert Meter Unterschied zwischen den tiefsten und den höchsten Lagen bedeuten kühlere Nächte, und genau die braucht eine spät reifende Sorte wie Monastrell, um Säure zu behalten. Für belastbare Klimanormalwerte fehlt der Region eine eigene Wetterstation mit langer Messreihe.
Die Reblaus kam 1911, nicht 1989
Über Jumilla kursiert die Geschichte, die Reblaus habe die Region erst 1989 erreicht und binnen weniger Jahre den Weinbau zerstört. Diese Erzählung hält der Fachliteratur nicht stand. Die maßgebliche geografische Untersuchung zur Ausbreitung der Reblaus in Spanien datiert den Nachweis auf dem Altiplano von Jumilla und Yecla auf 1911 — dreiunddreißig Jahre nach dem ersten spanischen Befall bei Málaga — und hält ausdrücklich fest, dass die Wirkung gering blieb: Die trockenen, sandig-kalkigen Böden bremsten den Schädling. Genau deshalb stehen hier bis heute wurzelechte Monastrell-Altreben, die anderswo längst durch veredelte ersetzt wären. Pie franco heißt das auf Spanisch, wurzelecht — und es ist der Grund, warum die besten Weine der Region so alt schmecken, wie ihre Reben sind.
Buschreben und fünftausend Kilogramm je Hektar
Wie streng hier gearbeitet wird, steht im Lastenheft. Für die extensive Bewirtschaftung, also die traditionelle Buscherziehung ohne Draht und Pfahl, sind 1.100 bis 1.900 Stöcke je Hektar vorgesehen, und der Höchstertrag liegt bei 5.000 Kilogramm Trauben je Hektar — umgerechnet siebenunddreißig Hektoliter. Für die intensive Bewirtschaftung im Drahtrahmen sind 1.500 bis 3.350 Stöcke und 8.750 Kilogramm zugelassen. Zum Vergleich: In vielen europäischen Anbaugebieten liegen die Höchsterträge beim Doppelten. Die alten Buschreben sind dabei keine Nostalgie, sondern die einzige Form, die in dieser Trockenheit ohne Bewässerung funktioniert. Der niedrige Ertrag ist hier keine Selbstbeschränkung, sondern das, was der Boden hergibt.
Jumilla Monastrell, Dulce und Vino de Licor
Die Herkunft kennt drei Zusatzbezeichnungen, die auf dem Etikett etwas bedeuten. Wer Jumilla Monastrell schreiben will, muss mindestens fünfundachtzig Prozent dieser Sorte im Wein haben. Jumilla Dulce bezeichnet die Süßweine der Region, die es hier durchaus gibt und die außerhalb Spaniens kaum jemand kennt. Und der Vino de Licor, der aufgespritete Typ, muss mindestens siebzehneinhalb Volumenprozent erreichen und darf ausschließlich aus Monastrell gemacht werden. Eine Lagenklassifikation nach dem Vorbild des Bierzo oder der Rioja gibt es in Jumilla nicht; einen anerkannten Vino de Pago innerhalb der Herkunft ebenso wenig. Der Pago Finca Élez liegt zwar in der Provinz Albacete, aber außerhalb des Jumilla-Gebiets.
2025 sehr gut, 2026 so früh wie nie
Der Jahrgang 2025 kam trotz schwieriger Bedingungen gut durch: drei Dürrejahre im Rücken, ein Hagelschlag am 10. Mai, der über 4.700 Hektar traf, und eine Hitzewelle im August. Geerntet wurden rund 49 Millionen Kilogramm Trauben, eine Million mehr als im Vorjahr; das Verkostungsgremium des Kontrollrats stufte den Jahrgang als sehr gut ein. Die Lese 2026 begann am 27. Juli mit Syrah und war damit die früheste seit Beginn der Aufzeichnungen. Über die Sorte, um die es hier geht, sagte José María Vicente von der Bodega Casa Castillo im April 2025 in Elite Murcia: „Con la monastrell se pueden hacer vinos de talla mundial." Er muss es wissen: Sein Pie Franco war 2020 der erste Wein der Herkunft mit hundert Parker-Punkten.
Was wir aus Jumilla führen
Ein Wein steht in dieser Kategorie, und er ist eine Ansage: der Micrit Monastrell tinto 2017 für 27 Euro, aus über hundertjährigen Monastrell-Reben. Dahinter steht ein gemeinsames Projekt von Casa Castillo und Envinate — also von José María Vicente, dessen Familie seit 1941 auf dem Gut sitzt und der 1991 die eigene Bodega gründete, und dem Quartett, das wir sonst von Teneriffa kennen. Der Jahrgang 2017 hat inzwischen neun Jahre Flaschenreife hinter sich. Bei sechzehn bis achtzehn Grad servieren und eine Stunde vorher öffnen. Was hier fehlt, ist ein günstiger Monastrell für den Alltag — die Region kann beides. Unsere übrigen Rotweine haben eine eigene Kategorie, das ganze spanische Regal steht unter Spanien.