Bergerac liegt fast genau östlich von Bordeaux, rund hundert Straßenkilometer flussaufwärts an derselben Dordogne, und trotzdem beginnt hier eine andere Weinwelt. Das Gebiet gehört zum Département Dordogne, nicht zur Gironde, und weinrechtlich zum Becken Sud-Ouest — es ist keine Bordeaux-Appellation, sondern führt seine eigenen Lastenhefte. Dreizehn Appellationen drängen sich auf engem Raum, und ihre Verteilung ist ungewöhnlich: Vier sind rot, zwei weiß und trocken, eine rosé — und sechs sind süß oder edelsüß. Die bekannteste davon heißt Monbazillac und wächst auf den Hängen südlich der Stadt, dort, wo die Nebelbildung über dem Fluss den Edelschimmel Botrytis cinerea zuverlässig anzieht. Wer aus dem Bordeaux kommt, findet dieselben Rebsorten und deutlich andere Preise; wer nach Süßwein sucht, findet hier eines der letzten Gebiete Frankreichs, in denen edelsüßer Wein nicht automatisch dreistellig kostet.
Dreizehn Appellationen auf engem Raum
Das Bergeracois zählt dreizehn geschützte Ursprungsbezeichnungen, und wer sie nebeneinanderstellt, versteht die Region schneller als über jede Landkarte. Rot sind Bergerac rouge, Côtes de Bergerac rouge, Pécharmant und Montravel rouge. Trocken und weiß sind Bergerac sec und Montravel blanc. Rosé gibt es als Bergerac rosé. Süß bis edelsüß sind Côtes de Bergerac moelleux, Rosette, Côtes de Montravel, Haut-Montravel, Saussignac und Monbazillac. Sechs von dreizehn Appellationen führen also Restzucker — ein Verhältnis, das kein anderes französisches Gebiet dieser Größe aufweist. Pécharmant nimmt unter den Roten eine Sonderstellung ein: Die Appellation liegt unmittelbar nordöstlich der Stadt und erzeugt die lagerfähigsten Weine des Gebiets, ausschließlich rot und ausschließlich trocken.
Warum Bergerac kein Bordeaux ist
Die Trennung zwischen Bergerac und Bordeaux ist keine Marketingentscheidung, sondern das Ergebnis einer jahrhundertealten Handelssperre. Ab 1241 räumte Heinrich III. den Bordelaiser Kaufleuten das Recht ein, die Weine des Hinterlands — des Haut-Pays, zu dem Bergerac gehörte — bis Weihnachten von der Garonne fernzuhalten, damit der eigene Wein zuerst verkauft wurde. Was den Winzern am Oberlauf blieb, war der Umweg über andere Abnehmer, und den fanden sie in den Niederlanden: Niederländische Händler kauften ab dem 17. Jahrhundert im großen Stil, der Handel erreichte um 1740 seinen Höhepunkt. Dass ausgerechnet die Süßweine zum Aushängeschild wurden, hat damit zu tun — sie überstanden den Transport. Die Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 trieb zugleich viele protestantische Winzerfamilien aus der Region ins Exil.
Monbazillac: was tatsächlich im Lastenheft steht
Monbazillac ist seit 1936 als Appellation geschützt und verteilt sich auf fünf Gemeinden südlich der Dordogne: Monbazillac, Pomport, Rouffignac-de-Sigoulès, Saint-Laurent-des-Vignes und Colombier. Zugelassen sind Sémillon, Sauvignon Blanc, Sauvignon Gris und Muscadelle, die zusammen mindestens 80 Prozent stellen müssen. Das amtliche Lastenheft schreibt die Lese in mehreren Durchgängen vor und formuliert das unmissverständlich: „la sélection des grappes de raisins est toujours réalisée à la main par tries successives" — die Auswahl der Trauben erfolgt stets von Hand in aufeinanderfolgenden Durchgängen. Maschinelle Lese ist seit 1993 verboten. Der Most muss mindestens 221 Gramm Zucker je Liter mitbringen, der fertige Wein mindestens 45 Gramm Restzucker und 14 Volumenprozent Alkohol; für die Stufe Sélection de Grains Nobles gelten 255 beziehungsweise 85 Gramm.
Hat Cyrano de Bergerac mit der Stadt zu tun?
Nein. Der historische Savinien de Cyrano lebte von 1619 bis 1655 und wurde in Paris geboren; getauft wurde er in der Pfarrei Saint-Sauveur. Der Namenszusatz stammt von einem Landgut der Familie im Tal von Chevreuse westlich der Hauptstadt, das sein Großvater rund vierzig Jahre vor Saviniens Geburt erworben hatte — reine Namensgleichheit mit der Stadt an der Dordogne. Auch die Cadets de Gascogne, die in Edmond Rostands Bühnenstück von 1897 auftreten, hat es in dieser Form militärisch nie gegeben. Die Stadt Bergerac hat sich den literarischen Cyrano trotzdem zu eigen gemacht und ihm zwei Statuen gesetzt: eine 1977 an der Place de la Mirpe, eine zweite 2005 an der Place Pélissière, eine Bronze des Bildhauers Mauro Corda. Wein trinkt die Figur im Stück übrigens kaum.
Kalk, Boulbènes und der eisenharte Tran
Die Böden des Bergeracois lassen sich nicht auf eine Formel bringen, und schon gar nicht mit denen von Saint-Émilion gleichsetzen. Auf den Plateaus liegt tertiärer Kalkstein, in den Senken die Molasse mit den sandig-lehmigen Boulbènes, auf den Terrassen quartärer Kies der Dordogne. Pécharmant verdankt seinen Charakter einer Besonderheit: dem Tran, einem eisenhaltigen, verhärteten Horizont im Périgord-Sand, der Wasser staut und den Reben Tiefenwurzeln abverlangt. Das Sortenrecht ist ebenfalls eigenwillig. In der Appellation Bergerac rouge darf keine der Hauptsorten — Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Malbec, hier Côt genannt — mehr als 65 Prozent der Rebfläche eines Betriebs einnehmen. Reinsortige Weine sind damit ausgeschlossen: Bergerac ist per Verordnung Cuvée-Land.
Was wir aus Bergerac führen
Bergerac ist bei uns bislang eine Kategorie mit einer einzigen Flasche, und das ist ausgerechnet die richtige: der Monbazillac der Domaine de Montlong von Michel Lambert aus Pomport, biologisch zertifiziert unter FR-BIO-16, Jahrgang 2023, aus 70 Prozent Sémillon, 20 Prozent Muscadelle und 10 Prozent Sauvignon Blanc, gewachsen auf ton- und kalkhaltigem Lehm. Die halbe Flasche kostet 7,50 Euro, was einem Literpreis von 20 Euro entspricht — für botrytisierten Wein aus Handlese ein Preis, den kaum ein anderes Gebiet hält. Im Glas: Bernstein, getrocknete Früchte, Honig, dazu eine Säure, die die Süße trägt. Servieren Sie ihn bei acht bis zehn Grad zu Entenleber, Blauschimmelkäse oder Schokolade. Weitere französische Weißweine stehen unter Weißweine.