Valdeorras ist alt, aber nicht die älteste Herkunft Galiciens: Die Schutzverordnung unterzeichnete der Landwirtschaftsminister am 27. Juli 1945, dreizehn Jahre nachdem der Ribeiro bereits im spanischen Weinstatut von 1932 stand. Und der römische Weinbau, den man hier gern behauptet, ist archäologisch nicht belegt — 2022 fand ein Winzer bei Larouco zwei in den Gneis gehauene Tretkeltern, deren Datierung bis heute offen ist. Urkundlich gesichert ist der Weinbau seit dem 19. Oktober 940. Was stimmt: Auf rund 1.200 Hektar an den Hängen über dem Sil steht die Sorte, für die diese Herkunft heute weltweit bekannt ist, und sie war vor fünfzig Jahren fast verschwunden. Godello belegt heute rund siebenhundert Hektar. Und noch eine Richtigstellung: Godello ist nicht der Verdelho von Madeira, sondern das portugiesische Gouveio des Douro. Zweiundvierzig Bodegas teilen sich das Gebiet, und Rotwein gibt es hier auch.
Rund 1.200 Hektar in acht Gemeinden
Die DO Valdeorras liegt im äußersten Osten der Provinz Ourense, an der Grenze zu Kastilien und León. Für die Kampagne 2022/23 wies das spanische Landwirtschaftsministerium 1.174 Hektar aus, bewirtschaftet von 1.006 Winzern, mit 43 eingetragenen Bodegas; der Kontrollrat nennt für 2026 rund 1.200 Hektar und zweiundvierzig Betriebe. Acht Gemeinden gehören dazu: O Barco de Valdeorras, A Rúa, Vilamartín de Valdeorras, O Bolo, Carballeda de Valdeorras, Larouco, Petín und Rubiá. Damit ist Valdeorras kleiner als das benachbarte Bierzo und etwa so groß wie der Ribeiro. Das endgültige Reglamento wurde am 31. Juli 1957 genehmigt, die geltende Fassung des Lastenhefts stammt vom 11. November 2024. Der Sil durchquert es von Osten nach Westen.
Godello ist Gouveio, nicht Verdelho
Die Gleichsetzung von Godello mit dem Verdelho von Madeira ist ein Lehrbuchfehler, und man kann ihn sogar datieren. Der französische Ampelograph Truel beschrieb 1984 die Douro-Sorte Gouveio als gleichbedeutend mit dem Madeira-Verdelho — eine Zuordnung, die sich als falsch erwies. Portugal ersetzte im Jahr 2000 per Verordnung den im Douro gebräuchlichen Namen Verdelho durch Gouveio, ausdrücklich um die Verwechslung zu beenden. Godello und Gouveio sind dieselbe Sorte, der Madeira-Verdelho ist eine andere. Mit dem Verdejo aus der Rueda hat Godello ebenfalls nichts zu tun, auch wenn die Namen sich ähneln. Die früheste Erwähnung der Sorte fällt ins Jahr 1531, in einer Schrift über den Douro. Synonyme sind Gouveio und Berdello.
Zweihundert Rebstöcke waren noch übrig
Die Wiederentdeckung des Godello ist die eigentliche Geschichte dieser Herkunft. Nach der Reblaus, die Valdeorras in den achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts erreichte, pflanzte man ertragreiche Ersatzsorten: In der Provinz Ourense standen in den siebziger Jahren rund fünfzig Prozent Garnacha Tintorera und vierzig Prozent Palomino — und nur ein Prozent Godello. Bei der Suche nach altem Pflanzmaterial fanden sich kaum zweihundert Stöcke. 1974 startete Horacio Fernández Presa vom landwirtschaftlichen Beratungsdienst in O Barco gemeinsam mit dem Önologen Luis Hidalgo das Projekt Revival; 1986 gründete Fernández Presa die Bodegas Godeval und füllte 15.000 Flaschen sortenreinen Godello ab. Heute steht Palomino noch auf rund neunzig Hektar.
Sieben weiße und zehn rote Sorten im Lastenheft
Das Sortenverzeichnis der DO Valdeorras ist breiter als die üblichen Aufzählungen. Als bevorzugte weiße Sorten führt das Lastenheft Godello, Loureira, Treixadura, Doña Branca, Albariño, Torrontés und Lado, dazu Palomino als lediglich zugelassene Sorte. Rot sind bevorzugt Mencía, Tempranillo — hier Araúxa genannt —, Brancellao, Merenzao, Sousón, Caíño Tinto, Espadeiro und Ferrón, zugelassen daneben Gran Negro, Garnacha Tintorera und Mouratón. Der Höchstertrag liegt bei 12.500 Kilogramm je Hektar für die bevorzugten Sorten und 15.000 für die übrigen, die Ausbeute bei 72 Litern je hundert Kilogramm. Eine Lagenklassifikation nach dem Vorbild des Bierzo, das seine Parzellen 2019 flächendeckend einstufte, gibt es hier nicht.
Die erste Urkunde stammt vom 19. Oktober 940
Wer den Weinbau dieser Gegend datieren will, sollte bei den Klöstern anfangen, nicht bei den Römern. Im Kartular von San Martiño de Castañeda sind zum 19. Oktober 940 Weinberge in Iorres verzeichnet, dem Vorläufernamen der Landschaft; eine Schenkungsurkunde von 953 nennt Keltern samt Zubehör, Häuser und Fässer. Die Benediktiner von San Pedro de Montes erscheinen in vierzig Urkunden mit Besitz in Valdeorras. Römisch ist dagegen der Goldbergbau am Sil, und hier werden regelmäßig Orte verwechselt: Der Tunnel von Montefurado liegt in der Gemeinde Quiroga in der Provinz Lugo, die Goldgruben von Las Médulas im Bierzo in der Provinz León — beide außerhalb dieser Herkunft. Der Name wird gern als Tal des Goldes gedeutet; die sprachliche Spur führt eher zum Stammesnamen der Gigurri.
Schiefer, Granit und die Terrassen des Sil
Valdeorras liegt im Binnenland, und das schmeckt man. Das Lastenheft nennt eine Höhenlage von dreihundert bis siebenhundert Metern und beschreibt das Klima als mediterran-ozeanisch: ein Übergangsraum zwischen dem regenreichen atlantischen Westen Galiciens und der trockenen kastilischen Hochebene. Wer die Weine mit denen von Rías Baixas vergleicht, vergleicht zwei sehr verschiedene Klimate — zwischen beiden liegt ganz Galicien. Die Böden führt das Lastenheft als schiefrig, granitisch, tonig-eisenhaltig, kalkhaltig und alluvial auf; dominierend ist der Schiefer, dazu kommen die Terrassen des Sil. Auf Schiefer wächst der straffere, auf den Terrassen der rundere Godello. Die Weinberge liegen an beiden Talseiten.
Kein reines Weißweingebiet
Godello beherrscht die Herkunft, aber er füllt sie nicht aus. Rund siebenhundert Hektar entfallen auf die weiße Leitsorte, knapp einhundertneunzig auf Mencía und rund einhundertvierzig auf Garnacha Tintorera, die spanische Bezeichnung für Alicante Bouschet — dieselbe Färbertraube, die in Almansa die Leitsorte ist. Die Mencía aus den Höhenlagen von Valdeorras ergibt hellere, würzigere Rotweine als die dichten Gewächse aus dem Bierzo. Daneben kennt das Lastenheft eine Spezialität, die kaum jemand kennt: den Tostado, einen Süßwein aus angetrockneten Trauben, den nur wenige Betriebe überhaupt noch erzeugen. Barrica, Crianza, Reserva und Gran Reserva sind ebenfalls zulässig. Rund drei Viertel der Flaschen sind weiß.
Rafael Palacios, Valdesil und die alten Parzellen
Zwei Namen haben den Ruf des Godello über Spanien hinausgetragen. Rafael Palacios, jüngerer Bruder des Priorat-Winzers Álvaro Palacios, kaufte ab 2004 Parzellen in Valdeorras und füllt heute As Sortes, Louro und die Einzellage Sorte O Soro ab. Die Familie Prada baute ab 1990 die Bodega Valdesil auf, indem sie die verstreuten Familienparzellen zurückkaufte; ihre Lage Pedrouzos gilt als älteste Godello-Pflanzung Galiciens, angelegt nach Angaben des Weinguts im Jahr 1885 — eine Familienüberlieferung, archivalisch nicht geprüft. Der Traubenpreis für Godello liegt bei etwa zwei Euro je Kilogramm und damit auf dem Vierfachen des spanischen Durchschnitts. Diese Sorte ist keine Massenware mehr. Godeval besteht seit vierzig Jahren.
Die Brände vom August 2025 und wozu diese Weine passen
Im August 2025 brannten in der Comarca Valdeorras über 30.000 Hektar, der größte Waldbrand der galicischen Geschichte, zehn Gemeinden waren betroffen. Die Weinberge blieben weitgehend verschont und wirkten als Brandschneise. Santiago Pérez, Techniker des Kontrollrats, sagte dazu am 21. August 2025 gegenüber Galicia Press: „Los viñedos salvaron las casas." Beschädigt wurden rund dreißig Hektar Rebfläche. Die Lese 2026 begann am 12. August, so früh wie nie; 2024 war mit über acht Millionen Kilogramm ein Rekordjahrgang. Im Fachhandel beginnen diese Weine bei etwa vierzehn Euro. Zu Pulpo á feira gehört ein Godello bei zehn Grad, zu Ziegenkäse ein gereifter bei zwölf. Unsere Weißweine haben eine eigene Kategorie, der galicische Nachbar am selben Fluss steht unter Ribeira Sacra, alle Herkünfte unter Spanien.