Almansa ist eine der kleinsten Herkünfte Spaniens und zugleich eine der älteren: Denominación de Origen ist sie seit dem 22. März 1966, im Juni 2026 hat sie ihr sechzigjähriges Bestehen gefeiert. Sie liegt im äußersten Osten der Provinz Albacete, an der Grenze zur Comunidad Valenciana, auf siebenhundert bis tausend Metern Höhe — dort, wo die kastilische Hochebene zur Mittelmeerküste hin abbricht. Acht Gemeinden gehören dazu. Was Almansa von den großen Nachbarn unterscheidet, ist nicht die Größe, sondern eine Rebsorte: Garnacha Tintorera, die trotz ihres Namens nichts mit der Garnacha Tinta zu tun hat, sondern die spanische Bezeichnung für Alicante Bouschet ist — eine Färbertraube mit rotem Fruchtfleisch. Sie ist hier die Leitsorte, gezogen im Buschsystem, und sie ergibt Weine von einer Farbtiefe, die man sonst aus dem Alentejo kennt. Rund achtzig Prozent der Erzeugung gehen in den Export.
Die DO gibt es seit 1966, nicht seit gestern
Der Eindruck, Almansa sei eine junge Herkunft, täuscht. Das Lastenheft der Denominación de Origen nennt als Datum der Ursprungseintragung den 22. März 1966; im Juni 2026 feierte die Region in Albacete ihr sechzigjähriges Bestehen. Damit gehört Almansa zu den älteren spanischen Herkünften — Spanien führte das System 1932 ein, die erste Eintragung war Jerez im Januar 1935, und viele heute bekanntere Herkünfte kamen erst Jahrzehnte nach Almansa dazu. Der erste Präsident des Kontrollrats war ab 1973 der Önologe Mario Bonete, und schon 1987 ging Wein aus Almansa in über zwanzig Länder. Die zuletzt überarbeitete Fassung des Lastenhefts datiert vom Dezember 2024. Alt ist hier ohnehin nicht die Vermarktung, sondern der Weinbau selbst: Rund um Almansa wird nach Angaben der Herkunft seit dem sechzehnten Jahrhundert ohne Unterbrechung Wein erzeugt.
Nicht südlich von Valencia, sondern der Pass dorthin
Almansa liegt nicht südlich von Valencia, sondern westlich davon, im äußersten Osten der Provinz Albacete an der Grenze zur Comunidad Valenciana. Die Lage ist der eigentliche Punkt: Der Corredor de Almansa gilt als einer der natürlichen Pässe der Iberischen Halbinsel, die Verbindung zwischen der kastilischen Meseta und dem Levante. Über der Stadt steht auf einem Kalkfelsen eine Burg aus dem vierzehnten Jahrhundert, und am 25. April 1707 entschied sich hier eine Schlacht des Spanischen Erbfolgekriegs, die Ostspanien für Philipp V. sicherte. Bis zum Mittelmeer sind es keine hundert Kilometer — nah genug, dass der Einfluss spürbar bleibt, weit genug, dass das Klima kontinental ist. Diese Doppelrolle als Grenzland und Durchgang prägt die Gegend bis heute.
Acht Gemeinden, elf Bodegas, achtzig Prozent Export
Die DO Almansa umfasst acht Gemeinden: Almansa, Alpera, Bonete, Corral-Rubio, Higueruela, Hoya-Gonzalo, Pétrola und einen abgegrenzten Teil von Chinchilla de Monte-Aragón rund um den Ortsteil Villar de Chinchilla. Elf Bodegas sind eingetragen. Zur Rebfläche kursieren Angaben zwischen 7.100 und 9.000 Hektar, je nachdem, ob man die Statistik oder die Selbstauskunft der Herkunft heranzieht. Belastbar ist die Erzeugung: 2025 wurden 35.188 Hektoliter zertifiziert, gut einundvierzig Prozent mehr als 2024 mit 24.947 Hektolitern. Rund achtzig Prozent gehen ins Ausland, verteilt auf etwa fünfundzwanzig Länder — 2025 entfielen 54,6 Prozent auf Europa, 32,7 auf Amerika und 12,5 auf Asien. Der Inlandsabsatz legte im selben Jahr um knapp sechzehn Prozent zu.
Garnacha Tintorera ist nicht Garnacha
Die wichtigste Sorte der Region trägt einen irreführenden Namen. Garnacha Tintorera ist nicht die rote Garnacha Tinta, sondern die spanische Bezeichnung für Alicante Bouschet — jene Färbertraube, die Henri Bouschet 1866 in Frankreich aus Petit Bouschet und Grenache kreuzte und deren Fruchtfleisch selbst rot ist. Das Lastenheft der DO Almansa führt beide Sorten getrennt auf, Garnacha Tintorera und Garnacha Tinta, was die Verwechslung eigentlich ausschließen sollte. Sie ist die meistangebaute Rebe der Herkunft und wird traditionell im Buschsystem gezogen, en vaso, ohne Draht und Pfahl. Allein die Gemeinde Higueruela bringt es auf rund 1.500 Hektar und stellt damit etwa ein Viertel der gesamten DO-Fläche.
Was das Lastenheft sonst erlaubt und was fehlt
Neben der Leitsorte lässt die DO Almansa vierzehn weitere Rebsorten zu. Rot sind das Monastrell, Tempranillo, Garnacha Tinta, Syrah, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Petit Verdot und Pinot Noir; weiß Verdejo, Macabeo, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Moscatel de Grano Menudo. Bemerkenswert ist, was fehlt: Airén, die andernorts in Castilla-La Mancha allgegenwärtige Massensorte, steht nicht auf der Liste, und Moravia Agria, die alte Sorte der Nachbarherkunft Manchuela, ebenso wenig. Die Weißweine sind zahlenmäßig eine Randerscheinung, gewinnen aber an Gewicht; ein Verdejo-Sauvignon von Bodegas Piqueras vertrat die Herkunft 2026 als repräsentativer Wein. Die Zahl der zugelassenen internationalen Sorten zeigt, dass Almansa seine Zukunft nicht allein in der Tradition sucht.
Siebenhundert Meter, Kalk und wenig Regen
Die Weinberge der DO Almansa liegen zwischen etwa siebenhundert und tausend Metern, in Higueruela auch höher. Das Klima ist ausgeprägt kontinental: Die nächstgelegene Station des spanischen Wetterdienstes AEMET in Albacete, auf 702 Metern, weist für die Normalperiode 1981 bis 2010 ein Jahresmittel von 14,3 Grad aus, den Juli bei 25,0 und den Januar bei 5,2 Grad, dazu 353 Millimeter Jahresniederschlag. Das Lastenheft nennt für Almansa selbst nur rund 250 Millimeter. Entscheidend für die Qualität ist die nächtliche Temperaturumkehr während der Reifephase, die das Lastenheft ausdrücklich hervorhebt. Der Boden ist kalkhaltig und durchlässig, mager, teils felsig, teils sandiger und tiefgründiger.
Der Jahrgang 2025 und die Häuser der Region
Der Jahrgang 2025 fiel in Almansa gut aus. Nach einem feuchten Winter, der auf mehrere Dürrejahre folgte, begann die Lese früher als üblich — die weißen Sorten Ende August, Garnacha Tintorera und Monastrell Anfang September. Adolfo Cano, Präsident des Kontrollrats der DO Almansa, sagte dazu am 20. Oktober 2025: „Estamos ante una vendimia fantástica, marcada por el buen estado sanitario de la uva y una maduración muy equilibrada." Die Häuser dahinter sind teils sehr alt: Bodegas Piqueras in Almansa besteht seit 1915 und wird in vierter Generation geführt; die Genossenschaft in Higueruela wurde 1958 als Cooperativa del Campo Santa Quiteria gegründet und zählt heute über zweihundert Mitglieder. Die erste Bodega des Ortes datiert auf 1860.
Was wir aus Almansa führen
Ein Wein steht in dieser Kategorie, und er ist ein kleiner Regelbruch: der Albahra tinto 2023 von Envinate für 13,50 Euro, siebzig Prozent Garnacha Tintorera und dreißig Prozent Moravia Agria. Moravia Agria ist eine fast verschwundene autochthone Sorte mit sehr hoher Säure — agria heißt schlicht sauer —, und sie steht nicht im Lastenheft der DO Almansa. Der Wein trägt deshalb kein DO-Siegel, obwohl die Trauben von hier stammen. Genau das macht ihn interessant: dreizehneinhalb Euro für einen Wein, der nebenbei eine bedrohte Rebe am Leben hält. Envinate ist dasselbe Quartett, das auf Teneriffa arbeitet und in Jumilla das Projekt Micrita betreibt. Bei sechzehn Grad servieren. Weitere Rotweine stehen in eigener Kategorie, alle Herkünfte unter Spanien.