Das Penedès zwischen Barcelona und Tarragona ist die größte Herkunft Kataloniens, und es ist zugleich die missverstandenste. Cava kommt zwar überwiegend von hier, ist aber keine Penedès-Bezeichnung: Cava ist eine eigene Denominación de Origen mit eigenem Kontrollrat und vier Zonen in halb Spanien, von Katalonien über die Rioja bis nach Extremadura. Auf dem Etikett stehen also entweder Penedès oder Cava, nie beides als dasselbe. Die drei berühmten Sorten Macabeo, Xarel·lo und Parellada sind außerdem längst nicht mehr die ganze Liste — das Lastenheft führt über dreißig, seit Ende 2024 auch zwei wiederentdeckte vorreblauszeitliche Reben. Und noch etwas unterscheidet diese Herkunft von jeder anderen: Seit der Ernte 2025 muss hier jede Traube aus zertifiziert ökologischem Anbau stammen, vom Genossenschaftswein bis zur Spitzenflasche. Keine andere Denominación de Origen der Welt verlangt das von ihren Mitgliedern.
Cava ist eine eigene Herkunft, nicht die des Penedès
Zwei Herkunftsbezeichnungen teilen sich hier dieselbe Landschaft, und das verwirrt zu Recht. Die DO Cava wurde 1959 erstmals amtlich verwendet, bekam 1972 ihren Kontrollrat und 1986 ihre geografische Abgrenzung; seit dem 15. Juli 2020 gliedert sie sich in vier Zonen, von denen Comtats de Barcelona über fünfundneunzig Prozent der Erzeugung stellt. Cava wird aber auch in der Rioja, in Aragón, im Levante und seit 1983 in Extremadura gemacht. Die DO Penedès dagegen ist seit dem 23. November 1933 geschützt, hat ihren Kontrollrat seit 1958 und steht vor allem für Stillwein. Eine Rebfläche kann für beide Herkünfte eingetragen sein — der Winzer entscheidet erst bei der Lese, ob seine Trauben in den Stillwein oder in den Grundwein für den Schaumwein gehen.
Seit der Ernte 2025 ist die ganze Herkunft ökologisch
Kein anderes spanisches Anbaugebiet hat sich zu diesem Schritt entschlossen. Der Kontrollrat beschloss am 13. Juli 2021, dass ab dem Jahrgang 2025 sämtliche Trauben der Herkunft zertifiziert ökologisch sein müssen, und räumte den Betrieben drei Jahre Umstellungszeit ein; das Lastenheft in der Fassung vom November 2024 schreibt es fest. Vor der Umstellung lag der zertifizierte Anteil bei fünfundneunzig Prozent, seit der Lese 2025 bei hundert. Die Herkunft nennt sich seither die erste Denominación de Origen der Welt, die vollständig ökologisch arbeitet — eine Selbstauskunft, der bislang niemand widersprochen hat. Wer hier eine Flasche kauft, kauft Biowein, ob es auf dem Etikett steht oder nicht.
Über dreißig Sorten, und zwei davon sind neu
Die Sortenliste des Penedès ist erheblich länger als das berühmte Trio. Weiß führt das Lastenheft neben Macabeo, Xarel·lo und Parellada auch Subirat Parent, Garnacha Blanca, zwei Muskateller, die Malvasía de Sitges, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Riesling, Gewürztraminer, Chenin, Viognier, Forcada und den rosabeerigen Xarel·lo Rosado. Rot stehen Ull de Llebre, wie der Tempranillo hier heißt, Garnacha Tinta, Samsó, Monastrell, Sumoll Tinto, Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir, Syrah, Cabernet Franc, Petit Verdot und Moneu. Seit dem 24. Dezember 2024 sind zwei alte Sorten dazugekommen, die das Weingut Albet i Noya seit 1997 wiederaufgebaut hat: die weiße Marina Rión und die rote Belat. Die Lese 2026 war die erste, die sie annehmen durfte.
Kalk ja, Kreide nur im Garraf
Der Boden des Penedès wird gern zur Kreide erklärt, und das trifft nur für eine Ecke zu. Das Lastenheft beschreibt die Böden nüchtern: aktiver Kalkgehalt zwischen fünf und zehn Prozent, Bodentiefe von vierzig bis hundertzwanzig Zentimetern, lehmig-schluffige Textur, gute Drainage. Der Untergrund besteht überwiegend aus miozänen Sedimenten, also aus erdgeschichtlich jungem Material von wenigen Millionen Jahren. Echten Kalkstein aus der Kreidezeit gibt es nur im Küstengebirge des Garraf, einer der zehn Kleinlagen der Herkunft. Kalkhaltig ist hier fast alles, kreidig fast nichts. Die Weinberge reichen von Meereshöhe bis auf achthundert Meter, und diese Spanne erklärt den Stil einer Flasche besser als jede Bodenformel: oben bleibt die Säure, unten reifen die roten Sorten aus.
Alt, Central, Baix: eine Gliederung von gestern
Die Dreiteilung, die in fast jedem Weinbuch steht, ist seit siebzehn Jahren überholt. Bis 2009 gliederte sich die DO Penedès in Penedès Superior, Penedès Central und Baix Penedès; das aktuelle Lastenheft kennt stattdessen zehn kleinere geografische Einheiten: Alts d'Ancosa, Conca del Foix, Costers de l'Anoia, Costers de Lavernó, Costers del Montmell, Marina del Garraf, Massís del Garraf, Muntanyes d'Ordal, Turons de Vilafranca und Vall Bitlles-Anoia. Zweiundsechzig Gemeinden gehören dazu, achtunddreißig in der Provinz Barcelona, vierundzwanzig in Tarragona. Nach der Ministeriumsstatistik für 2020/21 waren 16.009 Hektar eingetragen, bewirtschaftet von 2.110 Winzern; 222 Betriebe verarbeiteten sie.
Corpinnat und Clàssic Penedès: wer die DO Cava verließ
Drei Wege aus der DO Cava sind hier in gut zehn Jahren entstanden. Raventós i Blanc trat am 23. November 2012 aus und nennt seine Weine seither nach der Conca del Riu Anoia — eine private Bezeichnung, keine anerkannte Herkunft. Neun Häuser um Gramona, Recaredo und Llopart kündigten am 30. Januar 2019 ihren Austritt an und firmieren unter Corpinnat, einer EU-Kollektivmarke von 2017: Handlese, nur ökologische Trauben, mindestens achtzehn Monate Hefelager, mindestens neunzig Prozent einheimische Sorten und ein Traubenmindestpreis, der 2026 bei 94,3 Cent je Kilogramm lag. Inzwischen sind es zweiundzwanzig Betriebe. Clàssic Penedès schließlich ist seit 2013 die Schaumweinbezeichnung innerhalb der DO Penedès: ökologisch und mindestens fünfzehn Monate auf der Hefe.
Warum niemand mehr Méthode champenoise sagen darf
Der Begriff, der jahrzehntelang auf spanischen Schaumweinflaschen stand, ist seit über dreißig Jahren verboten. Die europäische Übergangsfrist für Méthode champenoise außerhalb der Champagne lief am 31. August 1994 ab; die Verordnung 554/95 vom 13. März 1995 bestätigte das und benannte die zulässigen Ersatzformeln. In Spanien heißt das Verfahren seither método tradicional: Der Stillwein bekommt Zucker und Hefe zugesetzt, gärt in der verschlossenen Flasche ein zweites Mal, reift auf der Hefe und wird schließlich degorgiert. Die Champagne hat also nicht das Verfahren geschützt, sondern nur ihren Namen. Das Verfahren steht jedem offen und wird im Penedès seit über hundertfünfzig Jahren angewandt.
Font de la Canya, das Jahr 1872 und die Legende
Weinbau ist hier fast dreitausend Jahre alt und trotzdem jünger, als die Werbung nahelegt. Auf der Fundstätte Font de la Canya bei Avinyonet del Penedès haben Archäologen der Kooperative ArqueoVitis Traubenkerne und phönizische Amphorenscherben aus dem siebten und sechsten vorchristlichen Jahrhundert freigelegt. Der Schaumwein dagegen ist jung: Der Kontrollrat der DO Cava datiert die ersten nach traditioneller Methode gefüllten Flaschen auf 1872 in Sant Sadurní d'Anoia, und das Haus Codorníu verbindet dieses Jahr mit Josep Raventós. Eine von der Familie unabhängige Quelle dafür gibt es nicht. Das Gründungsjahr 1551, das Codorníu für sich beansprucht, ist ebenfalls Überlieferung und nicht urkundlich belegt.
Der Jahrgang 2026 und wozu diese Weine passen
Die Lese 2026 begann im Juli und war damit die früheste, die je verzeichnet wurde. Erste Betriebe holten den Chardonnay Anfang Juli, nach drei Dürrejahren und einem heißen Frühsommer; der Direktor der Herkunft erwartete eine kleinere, aber sehr gesunde Ernte. Joan Huguet, Präsident des Kontrollrats der DO Penedès, sagte dazu am 22. Juli 2026 im katalanischen Rundfunk: „Fa 30 anys, collíem 30 dies més tard. Amb la crisi climàtica, la vinya brota abans." Im Fachhandel kosten Stillweine der Herkunft etwa zehn bis dreißig Euro, Corpinnat beginnt bei rund fünfunddreißig. Zu Calçots mit Romescosauce, seit 2002 als Calçot de Valls geschützt, gehört ein Xarel·lo bei zehn Grad. Unsere Weißweine und Rotweine haben eigene Kategorien, alle Herkünfte stehen unter Spanien.