Detailbeschreibung
Rotwein · Pomerol · Bordeaux, Rechtes Ufer
Château Clinet 2021 stammt von einem der höchsten Punkte des Pomerol-Plateaus, direkt im Zentrum der Appellation. Der Jahrgang 2021 brachte in Pomerol nach Aprilfrost und einem kühlen, nassen Sommer einen klassischen Bordeaux zurück: 13 % vol, straffe Struktur, rote und dunkle Frucht statt Wucht. Mit 20 Prozent Cabernet Sauvignon führt Clinet den höchsten Anteil dieser Sorte seit Jahrzehnten – in Pomerol eine Ausnahme.
Das Pomerol-Plateau – Kies über Ton und Crasse de fer
Die 11,5 Hektar von Château Clinet liegen unweit der Kirche von Pomerol auf dem Plateau, an dessen höchsten Stellen rund 35 Meter erreicht werden – in einer Appellation ohne nennenswerte Hänge ist das der entscheidende Unterschied. Die Nachbarschaft liest sich wie ein Verzeichnis der Appellationsspitze: L'Église-Clinet, Clos L'Église, Feytit-Clinet und Trotanoy grenzen direkt an. Reben sind auf Karten des Guts bereits 1785 verzeichnet.
Der Untergrund kombiniert Kies, Ton und eisenhaltige Sande – die berühmte Crasse de fer, eine eisenoxidverkittete Schicht im Untergrund des Plateaus, die Pomerol seine Textur und den charakteristischen Eisenton gibt. Der Kies an der Oberfläche entwässert, der Ton darunter hält Wasser: In einem nassen Jahr wie 2021 war diese Drainage entscheidend, denn genau die Plateaulagen lieferten den Jahrgang, während tiefer gelegene Parzellen mit Staunässe kämpften.
Clinet ist in 21 Einzelparzellen gegliedert, die getrennt bewirtschaftet und vinifiziert werden. Das Durchschnittsalter der Reben liegt bei rund 45 Jahren, die ältesten wurden 1934 gepflanzt und gehören zu den ältesten Rebbeständen Pomerols. Der Rebsortenspiegel steht bei 70 % Merlot und 30 % Cabernet Sauvignon – der Cabernet-Anteil wurde seit 2000 kontinuierlich erhöht, was auf dem Rechten Ufer, wo Cabernet Franc die übliche Ergänzung ist, eine eigene Handschrift darstellt. Jean-Louis Laborde kaufte das Gut 1998, sein Sohn Ronan führt es seit 2004.
Jahrgang 2021 – Pomerol
Nach frühem Austrieb Ende März traf der Frost der Nächte vom 7. und 8. April mit bis zu −4 °C Teile des Rechten Ufers und vernichtete ganze Parzellen. Es folgte ein feuchter Juni mit hohem Mehltaudruck, der die Weinberge über Wochen in Atem hielt. Juli und August blieben vergleichsweise kühl und sonnenarm – die Stimmung unter den Erzeugern war im Hochsommer entsprechend gedrückt.
Die Wende kam ab Ende August: warmer, sonniger und windiger Spätsommer bis in die Lese hinein, der die Trauben trocken hielt und die Reife nachholen ließ. Gelesen wurde von Ende September bis Mitte Oktober; Clinet erntete Mitte Oktober und damit spät genug, um den hohen Cabernet-Anteil vollreif einzubringen. Die Erträge blieben klein: In Pomerol und Saint-Émilion unter 30 Hektoliter je Hektar, bordelaisweit 377 Millionen Liter – 14 Prozent unter 2020 und 22,5 Prozent unter dem Zehnjahresmittel. Die Alkoholgehalte fielen ein bis zwei Prozentpunkte niedriger aus als in den Vorjahren. Das Ergebnis ist ein Jahrgang mit frischerem Fruchtbild, seidiger Textur und der Klarheit, die Bordeaux in den heißen Jahren zuvor abhandengekommen war.
Assemblage und Ausbau
Die Assemblage des Jahrgangs 2021 steht bei 80 Prozent Merlot und 20 Prozent Cabernet Sauvignon – der höchste Cabernet-Anteil bei Clinet seit mindestens den 1980er Jahren. In einem kühlen Jahr ist das eine bewusste Entscheidung gegen die Regel: Cabernet Sauvignon liefert hier das Gerüst und die Frische, die den Merlot vor der Weichheit bewahren, in die er in nassen Jahrgängen gern abrutscht. Der Alkohol liegt bei 13 % vol.
Vergoren wird seit 2014 parzellenweise im Edelstahl, die malolaktische Gärung findet im Holzfass statt. Der Ausbau dauert 18 bis 22 Monate in französischer Eiche mit 60 Prozent Neuholzanteil. Bei den kleinen Beeren und niedrigen Erträgen von 2021 trägt der Wein diesen Holzanteil, ohne davon überlagert zu werden – die Extraktion wurde erkennbar zurückgenommen, das Fass stützt die Struktur, statt sie zu ersetzen.
Im Glas
In der Nase dunkle Beeren, Pflaume, Lakritz und Gewürznoten, dahinter der Eisenton, den die Crasse de fer in Pomerol-Weine trägt. Am Gaumen dicht und geschlossen gebaut, schwarze Frucht, feste und dabei reife Tannine, die den Wein tragen statt ihn auszutrocknen. Die Säure des Jahrgangs zieht sich als klare Linie durch den Mittelbau, der Abgang bleibt lang und kühl.
Bei 13 % vol und 20 Prozent Cabernet Sauvignon zeigt Clinet 2021, dass Dichte in Pomerol nicht von Alkohol abhängt, sondern von Ertrag und Lesezeitpunkt.
Jetzt geöffnet braucht der Wein zwei bis drei Stunden Karaffe, das Tannin ist noch nicht ganz eingebunden. Sein Fenster öffnet sich ab etwa 2027 und reicht bis 2045; die Substanz des Jahrgangs steckt weniger im Fruchtvolumen als in Struktur und Säure – das sind die Bestandteile, die lange halten.
Am Tisch
Passt zu Rinderfilet und Entrecôte, Lammrücken mit Thymian, geschmorter Rinderbacke, Taube und Rebhuhn, dazu Steinpilzen und Trüffel. Mit weiterer Flaschenreife auch zu gereiftem Comté und Hartkäse. Für Wildgerichte mit kräftiger Sauce ist der Jahrgang 2021 eher zu straff – hier spielen die wärmeren Jahrgänge ihre Stärken aus.