Detailbeschreibung
Champagner · Grand Cru · Blanc de Blancs
Der Domaine Vincey Champagne Oger Grand Cru 2018 ist ein reinsortiger Blanc de Blancs von über sechzig Jahre alten Reben aus der Grand-Cru-Gemeinde Oger. Vollständig im gebrauchten Holzfass vinifiziert, von Hand gerüttelt und degorgiert, ohne Dosage gefüllt: würzig, kraftvoll und mit spürbarem Druck – ein Solitär im Glas.
Oger – Blanc de Blancs von alten Reben
Oger liegt im Kern der Côte des Blancs, zwischen Avize und Le Mesnil-sur-Oger, und ist zu hundert Prozent als Grand Cru klassifiziert. Der Ort gilt als die rundere, blumigere Ausprägung des Chardonnay in dieser Reihe – weniger streng als Le Mesnil, weniger kraftvoll als Avize. Die Böden bestehen aus braunen Tonschichten und Kalkstein über Kreide, die Wasser speichert, in Trockenphasen kapillar zurückgibt und die Wurzelzone kühl hält.
Die Reben für diesen Wein sind über sechzig Jahre alt. Alte Stöcke tragen wenig, wurzeln tief und reagieren weniger empfindlich auf Hitze und Trockenheit – in einem warmen Jahr wie 2018 genau der Puffer, der Säure und Kontur erhält.
Domaine Vincey aus Oger zählt zu den auffälligsten jungen Erzeugern der Côte des Blancs. Quentin Vincey führt das Gut in achter Generation; seit 2014 wird selbst abgefüllt statt Trauben abzugeben. Im Keller wird ausschließlich mit Holz gearbeitet und nach alten, handwerklichen Methoden.
Jahrgang 2018 – Côte des Blancs
Der Jahrgang 2018 begann nass und endete heiß. Zwischen November 2017 und Januar 2018 fielen im Mittel 345 Millimeter Niederschlag – mehr als im bisherigen Rekordjahr 1965 –, entsprechend hoch war im Frühjahr der Pilzdruck; im Mai richteten Hagelzellen regional Schäden an. Ab April drehte das Wetter: Von April bis Juni schien die Sonne rund 750 Stunden statt der üblichen 630, die Blüte lief Anfang Juni rasch durch, Juli und August blieben warm und trocken.
Die Lese begann ab dem 20. August, rund zwei Wochen früher als gewohnt, mit gesundem und ungewöhnlich zuckerreichem Lesegut; der verfügbare Ertrag wurde auf 10.800 kg/ha festgesetzt. 2018 ist der erste Champagne-Jahrgang seit 2003, dem man das wärmere Klima geschmacklich klar anmerkt: reife Frucht, Schmelz, moderate Säure. Wo die Reife zu weit ging, wurden die Weine breit. In der Côte des Blancs hielt die Kreide dagegen – der Chardonnay der Grand Crus gehört zu den Gewinnern dieses Jahres, weil er Fülle bekam, ohne die Achse zu verlieren.
Vollständiger Holzausbau und Handdegorgierung
Reinsortiger Chardonnay aus dem Jahrgang 2018. Nach selektiver Handlese ruht der Wein einige Monate auf der Feinhefe in gebrauchten französischen Holzfässern; die Fässer sind alt genug, dass sie kein Holzaroma mehr abgeben, sondern nur einen kontrollierten, minimalen Sauerstoffzutritt. Die malolaktische Gärung läuft in denselben Barriques ab – Wein und Holz verbinden sich dadurch enger, als wenn der Wein später umgezogen würde.
Nach der zweiten Gärung in der Flasche wird von Hand gerüttelt und degorgiert, ein Arbeitsaufwand, den heute nur noch sehr kleine Betriebe leisten. Gefüllt wird als Brut Nature, also ganz ohne Dosage: Nichts glättet hier die Säure, der Wein steht nackt im Glas. Bei einem reifen Jahrgang wie 2018 und einem vollständigen Fassausbau funktioniert das, weil Frucht und Textur die Süße ersetzen.
Im Glas
Tiefes Gold mit feiner Perlage. Die Nase ist voluminös und würzig: Brioche und Hefegebäck, gelbe Steinfrucht, dazu eine herb-rauchige Holznote und ein wilder, fast ungezähmter Ton, der diesen Erzeuger auszeichnet.
Am Gaumen kraftvoll und breit gebaut, mit Druck statt Filigranität. Die Textur kommt aus Fass und Feinhefe, die Kontur aus der Kreide von Oger; ohne Dosage bleibt der Abgang streng, trocken und lang. Kein geschliffener Champagner – einer mit Ecken, die man mögen muss.
Vollständiger Fassausbau, Malo im Holz, keine Dosage: Bei diesem Wein federt nichts ab.
Bei 9–11 °C servieren; ein großzügiges Glas bringt die Aromatik besser zur Geltung als eine schmale Flöte. Der Wein braucht Luft – nach einer halben Stunde tritt die Frucht neben Holz und Hefe. Trinkreif, mit Reserve für viele Jahre.
Am Tisch
Als kraftvoller Aperitif, zu gebratenem Fisch und Hummer, zu Geflügel oder Kalb in heller Sauce, zu reiferen Hartkäsen sowie zu würzigeren Gerichten, die Druck und Struktur vertragen. Zu filigranen Vorspeisen ist dieser Champagner die falsche Wahl – er überfährt sie.