Detailbeschreibung
Champagner · Grand Cru · Blanc de Blancs
Der Champagne Girard-Bonnet Les Mussettes 2020 Grand Cru ist ein reinsortiger Blanc de Blancs aus einer historischen Einzellage in Le Mesnil-sur-Oger, bepflanzt 1971. Paul Girard vinifiziert den Chardonnay teils im Holz, teils im Stahl, lässt ihn 50 Monate auf der Hefe reifen und dosiert minimal als Extra Brut – ein präziser, salziger Champagner aus einem warmen, frühen Jahrgang.
Les Mussettes – Einzellage am Hangfuß von Le Mesnil
Le Mesnil-sur-Oger liegt am südlichen Ende der Grand-Cru-Reihe der Côte des Blancs und gilt als die strengste Chardonnay-Herkunft der Champagne. Die Kreide aus dem Campanien steht hier nah an der Oberfläche; sie speichert Wasser, gibt es kapillar zurück und hält die Wurzelzone kühl. Das Ergebnis sind Weine mit hoher Säure, salziger Kontur und langem Reifepotenzial.
Die Einzellage Les Mussettes liegt am Hangfuß und ist nach Osten ausgerichtet. Über der Kreide liegt hier eine Schicht aus Lehm kolluvialen Ursprungs – Material, das über Jahrtausende vom Hang abgerutscht ist und sich unten gesammelt hat. Dieser Boden hält mehr Wasser und verzögert die Reife; die Kreide darunter bleibt für die Wurzeln erreichbar. Das Zusammenspiel gibt dem Wein Tiefe und Frucht, ohne die typische Salzigkeit des Ortes zu verlieren.
Bepflanzt wurde die Lage 1971 mit Chardonnay aus Massenselektion – Reben, die aus bestehenden Stöcken des Weinbergs vermehrt wurden statt aus Klonen, und die deshalb eine größere genetische Vielfalt mitbringen. Das Haus Girard-Bonnet wird von Paul Girard geführt, der die Weinberge seiner Eltern in Le Mesnil und Oger übernommen hat.
Jahrgang 2020 – Côte des Blancs
Der Jahrgang 2020 war in der Champagne ein frühes, warmes Jahr. Nach einem milden Winter setzte der Austrieb zeitig ein, das Frühjahr blieb weitgehend frostfrei, und ein heißer, trockener Sommer trieb die Reife voran. Gelesen wurde ab Mitte August – einer der frühesten Lesebeginne der Geschichte der Region.
Das Lesegut war gesund und reif, die Säure blieb dank kühler Nächte erhalten. Wegen des eingebrochenen Absatzes im Pandemiejahr begrenzte die Branche den verfügbaren Ertrag auf 8.000 kg/ha, deutlich unter dem Niveau der Vorjahre – für viele Häuser eine erzwungene Selektion. Chardonnay aus der Côte des Blancs gehört zu den Gewinnern des Jahres: Die Kreide hielt die Frische, die Wärme brachte Frucht und Fülle.
Holz und Stahl, 50 Monate auf der Hefe
Reinsortiger Chardonnay aus dem Jahrgang 2020, aus einer einzigen Grand-Cru-Lage. Vergoren wird spontan mit Naturhefen, teils im Holzfass, teils im Edelstahltank: Das Holz gibt Textur und einen langsamen Sauerstoffkontakt, der Stahl hält die Frische. Die malolaktische Gärung läuft nur in einem Teil der Partien – so bleibt ein Teil der Apfelsäure erhalten, was bei einem warmen Jahrgang die Spannung sichert.
Nach elf Monaten Ausbau im Fass folgt die zweite Gärung in der Flasche, danach reift der Wein 50 Monate auf der Hefe – mehr als das Vierfache der für Jahrgangschampagner vorgeschriebenen Mindestzeit. Die Autolyse der Hefe liefert Brioche-Noten und Cremigkeit. Dosiert wird minimal als Extra Brut, damit Lage und Kreide im Vordergrund bleiben.
Im Glas
Helles Gold mit feiner Perlage. In der Nase zarte Zitrusnoten, gelber Apfel und Brioche, dazu ein kreidiger, frischer Ton. Am Gaumen präzise und salzig, mit der reifen Frucht des warmen Jahrgangs und einer Säure, die sie trägt; die lange Hefelagerung gibt Tiefe und Schmelz. Der Abgang ist lang und straff.
Kolluvialer Lehm für die Frucht, Mesnil-Kreide für die Salzigkeit, vier Jahre Hefe für die Tiefe.
Bei 9–11 °C servieren, in großen Gläsern statt in der Flöte. Mit weiterer Flaschenreife gewinnt der Wein an Cremigkeit und Länge.
Am Tisch
Klassisch zu Austern, Muscheln und rohem Fisch, ebenso zu gebratenem Zander, Kalbsbries oder gereiftem Comté. Der straffe, mineralische Stil trägt den Champagner durch einen ganzen Fischgang.