Detailbeschreibung
Champagner · Grand Cru · Blanc de Blancs
Der Domaine Vincey Champagne Auge Grand Cru 2018 ist ein reinsortiger Blanc de Blancs aus der nur 0,3 Hektar großen Parzelle „Auge" in Le Mesnil-sur-Oger, gepflanzt 1971. Zwölf Monate im Fass ohne malolaktische Gärung, von Hand gerüttelt, ohne Dosage gefüllt: karg, straff und salzig, mit großer Länge und feinem Finish. Die Auflage liegt bei 1.375 Flaschen.
Auge – eine Parzelle in Le Mesnil-sur-Oger
Le Mesnil-sur-Oger liegt am südlichen Ende der Grand-Cru-Reihe der Côte des Blancs und gilt als die strengste Chardonnay-Herkunft der Champagne. Die Kreide steht hier besonders nah an der Oberfläche; sie speichert Wasser, gibt es kapillar zurück und hält die Wurzelzone kühl. Das Ergebnis sind Weine mit schneidender Säure, salziger Kontur und großem Lagerpotenzial – in der Jugend oft verschlossen, mit den Jahren tief.
Die Parzelle „Auge" umfasst gerade 0,3 Hektar, bepflanzt 1971. Über der Kreide liegen Ton- und Kalksteinschichten, die dem Wein etwas Körper geben, ohne die Strenge des Ortes abzuschwächen. Mehr als fünfzig Jahre alte Stöcke tragen wenig und wurzeln tief; aus einer Fläche dieser Größe entsteht in einem Jahr kaum mehr als eine Handvoll Fässer.
Domaine Vincey sitzt im Nachbarort Oger. Quentin Vincey führt das Gut in achter Generation und füllt seit 2014 selbst ab; im Keller wird ausschließlich mit Holz gearbeitet. Auge ist die Mesnil-Parzelle im Sortiment – der Gegenpol zu den runderen Oger-Weinen des Hauses.
Jahrgang 2018 – Le Mesnil-sur-Oger
Im Jahr 2018 stand am Anfang nasse Kälte, am Ende Hitze. Der Winter brachte in der Champagne mit rund 345 Millimetern zwischen November und Januar so viel Regen wie nie zuvor gemessen; die Kreide nahm diese Menge auf und gab sie im Sommer an die Reben zurück. Nach einem sonnenreichen Frühjahr und rascher Blüte folgten ein warmer Juli und August, gelesen wurde ab dem 20. August, rund zwei Wochen früher als üblich.
Für viele Lagen war 2018 ein Jahr der Fülle, in dem die Säure knapp wurde. Le Mesnil ist die Ausnahme, die diese Regel bestätigt: Die Strenge des Ortes und die hohe Grundsäure seines Chardonnay fingen die Reife des Jahres ab. Deshalb funktioniert hier, was in einem warmen Jahr sonst riskant wäre – ein Wein ohne Malo und ohne Dosage.
Zwölf Monate im Fass, keine Malo, keine Dosage
Reinsortiger Chardonnay aus dem Jahrgang 2018. Die Gärung läuft mit indigenen Hefen im Fass, danach ruht der Grundwein zwölf Monate auf der Hefe in französischen Eichenfässern. Eine malolaktische Gärung findet nicht statt: Die Apfelsäure bleibt vollständig erhalten, was bei einem Mesnil-Chardonnay die Strenge noch betont – und die Lagerfähigkeit verlängert.
Nach der zweiten Gärung in der Flasche wird von Hand gerüttelt und degorgiert. Das dauert rund sechs Wochen statt der zwei Wochen, die maschinelle Gyropaletten brauchen – ein Aufwand, der bei einer Auflage von 1.375 Flaschen noch zu leisten ist. Gefüllt wird als Brut Nature mit 0 g/l: Nichts federt die Säure ab, die Lage steht unverhüllt im Glas.
Im Glas
Blasses Strohgelb mit grünlichen Reflexen, eine feine, anhaltende Perlage. In der Nase karg und präzise: Zitrone und grüner Apfel, dazu Austernschale, Kreide und ein feuersteiniger Ton, im Hintergrund dezente Brioche und Haselnuss aus dem Fass.
Am Gaumen straff und salzig, mit der schneidenden Frische, die Le Mesnil ausmacht; ohne Malo und ohne Dosage bleibt nichts zwischen Lage und Glas. Hart wird der Wein trotzdem nicht – die zwölf Monate auf der Hefe geben eine feine Cremigkeit, die die Säure trägt. Der Abgang ist filigran, sehr lang und klingt salzig nach.
Le Mesnil ohne Malo und ohne Dosage: Strenger lässt sich ein Blanc de Blancs kaum bauen – und die Hefe hält ihn trotzdem zusammen.
Bei 9–11 °C servieren; ein großzügiges Glas bringt die Aromatik besser zur Geltung als eine schmale Flöte. Der Wein profitiert von Luft und von Zeit im Keller – jetzt trinkbar, auf viele Jahre angelegt.
Am Tisch
Als Aperitif, zu Austern und Meeresfrüchten, zu Sashimi, zu gebratenem Fisch sowie zu jungem Hartkäse. Die Säure verlangt Salz und Jod: Belon-Austern, roher Kaisergranat, Ceviche. Zu cremigen Saucen ist dieser Champagner die falsche Wahl – dafür sind die Oger-Weine des Hauses besser geeignet.