Detailbeschreibung
Champagner · Grand Cru · Blanc de Blancs
Franck Bonville Pur Avize 2018 ist der Lagen-Champagner des Hauses: reinsortiger Chardonnay aus drei Parzellen im Kern von Avize, Jahrgang 2018. Nach über fünf Jahren Reife auf der Hefe – und zwar unter Naturkork statt Kronkorken – steht er schnörkellos, klar und kristallin im Glas, mit der salzigen Achse, für die das Dorf steht.
Avize – Les Avats, Les Maladries und Les Chapelles
Franck Bonville ist in Avize an der Côte des Blancs beheimatet, dem Ort, der den Kern des Familienbesitzes stellt. Avize ist zu hundert Prozent als Grand Cru klassifiziert und gilt als die kräftigste der großen Chardonnay-Gemeinden – mehr Substanz als das blumigere Oger, weniger Strenge als Le Mesnil-sur-Oger.
Die Trauben für den Pur Avize stammen aus drei Lagen, die das Dorf förmlich umschließen: Les Avats, Les Maladries und Les Chapelles. Sie liegen im mittleren Hangbereich, dort wo die Bodenauflage am dünnsten ist und die Kreide fast bis an die Oberfläche reicht. Diese Kreide – Belemnitenkreide aus der Oberkreide – nimmt bis zu 40 Prozent ihres Volumens an Wasser auf, gibt es in Trockenphasen zurück und hält die Wurzelzone kühl. Das Ergebnis ist die kühle, kalkige Frische mit feiner Spannung, die den Ortscharakter ausmacht.
Hinzu kommt die Ostausrichtung des Hangzugs: Morgensonne, kühle Nachmittage, eine lange und langsame Reife. Chardonnay behält hier auch in warmen Jahren Säure – die Voraussetzung dafür, dass ein Wein fünf Jahre auf der Hefe verbringen kann, ohne breit zu werden.
Jahrgang 2018 – Côte des Blancs
Der Jahrgang 2018 begann nass und endete heiß. Zwischen November 2017 und Januar 2018 fielen im Mittel 345 Millimeter Niederschlag – mehr als im bisherigen Rekordjahr 1965 –, entsprechend hoch war im Frühjahr der Pilzdruck; im Mai richteten Hagelzellen regional Schäden an. Von April bis Juni schien die Sonne dann rund 750 Stunden statt der üblichen 630, die Blüte lief Anfang Juni rasch und gleichmäßig durch, Juli und August blieben warm und trocken.
Die Lese begann ab dem 20. August, rund zwei Wochen früher als gewohnt, mit gesundem und ungewöhnlich zuckerreichem Lesegut. Der verfügbare Ertrag wurde auf 10.800 kg/ha festgesetzt, obwohl die Reben deutlich mehr getragen hätten. 2018 ist der erste Champagne-Jahrgang seit 2003, dem man das wärmere Klima geschmacklich klar anmerkt: reife Frucht, Schmelz, moderate Säure. Wo die Reife zu weit ging, wurden die Weine breit. In der Côte des Blancs hielt die Kreide dagegen – der Chardonnay der Grand Crus gehört zu den Gewinnern dieses Jahres, weil er Fülle bekam, ohne die Achse zu verlieren.
Fünf Jahre Hefereife unter Naturkork
Reinsortig aus Chardonnay aus Grand-Cru-Lagen – daher Blanc de Blancs. Die Grundweine werden im Edelstahl ausgebaut, die malolaktische Gärung läuft durch; Holz spielt bei dieser Cuvée keine Rolle.
Der Unterschied zum übrigen Sortiment liegt im Verschluss während der Flaschenreife. Statt des üblichen Kronkorkens verschließt Bonville den Pur Avize für die zweite Gärung mit Naturkork samt Agraffe – so, wie die gesamte Champagne vor der Einführung des Kronkorkens in den 1960er Jahren arbeitete. Kork ist minimal durchlässig: Der Wein bekommt über die Jahre einen kaum messbaren, aber stetigen Sauerstoffkontakt. Das verlangsamt die Hefearomatik, arbeitet die Textur heraus und führt zu einer feineren, dichter gepackten Perlage. Der Aufwand ist deutlich höher, weil jede Flasche einzeln verschlossen und beim Degorgieren einzeln geöffnet werden muss.
So reifte der Jahrgang 2018 über fünf Jahre auf der Hefe in den kühlen Kellern des Hauses. Dosiert wird als Extra Brut – bei diesem Reifegrad und dieser Kreide-Säure braucht es kaum Zucker, um den Wein rund zu stellen.
Im Glas
Helles Gold mit feiner Perlage. In der Nase zarte Zitrusfrucht, ein Hauch weißer Blüten, frische Mandeln und etwas nasser Stein, die sich mit jedem Moment weiter öffnen. Am Gaumen schnörkellos, glockenklar und kristallin, mit Eleganz, Energie und Tiefe; die feine, zurückhaltende Frucht tritt hinter die Mineralität zurück, die das lange, salzig-frische Finale trägt.
Fünf Jahre unter Kork statt unter Kronkorken: derselbe Chardonnay, aber feinere Perlage und mehr Textur.
Bei 8–10 °C in großen Gläsern servieren, nicht in der Flöte. Der Wein braucht Luft – nach einer Viertelstunde treten Mandel und Gebäck neben die Zitrusnoten. Trinkreif, mit Reserve bis weit in die 2030er-Jahre.
Am Tisch
Zu Austern und Meeresfrüchten, edlem Fisch, Krustentieren und feiner Küche. Die Reife von 2018 trägt auch Gerichte mit Butter und Sahne: Seezunge, Jakobsmuscheln, Kalbsfrikassee, junger Comté. Als Aperitif funktioniert er, verschenkt dort aber seine Textur.