Detailbeschreibung
Weißwein · Gutswein · halbtrocken
Der Muskateller 2024 vom Weingut Andres in Deidesheim ist ein Gutswein von der Pfälzer Mittelhaardt, gekeltert aus 100 % Gelbem Muskateller. Michael und Thomas Andres bewirtschaften ihre Parzellen seit der Betriebsübernahme 2015 biologisch. Der Wein setzt die Sortenaromatik trocken um: Muskatbukett mit Restsüße, getragen von der kühlen Säure des Jahrgangs.
Mittelhaardt – Parzellen zwischen Deidesheim, Forst und Königsbach
Die Rebflächen des Weinguts liegen verstreut über die Mittelhaardt, zwischen Haardt, Deidesheim, Forst, Ruppertsberg und Königsbach. Der Haardtrand schirmt die Hänge nach Westen gegen Wetterfronten ab, die Ostexposition zur Rheinebene bringt frühe Morgensonne und rasche Erwärmung. Das Ergebnis ist eine der wärmsten und niederschlagsärmsten Weinbauzonen Deutschlands.
Die Bodenspanne ist auf engem Raum groß: von kargem Buntsandstein über Löss und Lösslehm bis zu Kalkmergel. Für einen aromatischen Weißwein wie den Muskateller sind die kühleren, kalkhaltigen Anteile der ausschlaggebende Faktor – sie halten die Säure fest, während die Sorte in reinen Wärmelagen schnell breit und parfümiert wird.
Im Weinberg wird biologisch gearbeitet, ergänzt durch biodynamische Grundsätze; die Zertifizierung läuft unter DE-ÖKO-039. Der Eingriff bleibt bewusst gering – die Handschrift entsteht über Standort und Lesezeitpunkt, nicht über Kellertechnik.
Jahrgang 2024 – Pfalz
Auf einen milden Winter folgte ein früher Austrieb. Der Spätfrost im April traf die Pfalz deutlich weniger hart als andere deutsche Anbaugebiete, die Schäden blieben regional begrenzt. Kühle Wochen in Mai und Juni verzögerten Blüte und Entwicklung wieder. Der Sommer brachte wiederholte Regenphasen mit hohem Druck durch Falschen Mehltau – der Pflanzenschutzaufwand lag pfalzweit beim Anderthalbfachen des Üblichen, für Biobetriebe der arbeitsintensivste Teil des Jahres. Hagel spielte kaum eine Rolle: fünf Einsätze der Hagelabwehr statt sonst rund 25.
Die Hauptlese begann Anfang September und wurde zügig durchgezogen. Insgesamt kamen rund 2,2 Millionen Hektoliter in die Pfälzer Keller, etwa vier Prozent unter Vorjahr; ökologisch wirtschaftende Betriebe lagen mit etwa zehn Prozent Minus darunter. Anfangs leicht überdurchschnittliche Mostgewichte wurden vom Septemberregen auf Normalwerte zurückgeführt. Der Jahrgang steht damit für prägnante Säure bei niedrigen Alkoholwerten – eine Konstellation, die aromatischen Sorten wie dem Muskateller entgegenkommt.
Assemblage und Ausbau
Sortenrein 100 % Gelber Muskateller, Jahrgang 2024, halbtrocken ausgebaut. Die Trauben stammen aus den Gutsweinparzellen der Mittelhaardt und werden früh gelesen, um die Säure des Jahrgangs und das Primäraroma zu sichern.
Der Ausbau bleibt reduktiv und ohne Holz. Kühle Gärung und kurzer Hefekontakt halten die Terpenaromatik der Sorte fest, die bei Wärme und langer Lagerung rasch ins Parfümierte kippt.
Im Glas
In der Nase klares Muskatbukett: Holunderblüte, Limettenzeste, weiße Traube, dahinter ein Hauch Pfirsichhaut. Am Gaumen geradlinig, Grapefruit und Zitrus tragen den Mittelbau, die Säure des Jahrgangs zieht den Wein schmal und straff nach hinten. Der Abgang bleibt salzig-herb statt blumig-süßlich.
Muskateller mit Restsüße: Die prägnante Säure des Jahrgangs 2024 stellt das Muskatbukett auf ein süßes Polster.
Bei 9–11 °C servieren. Der Wein ist ab sofort auf dem Punkt und sollte jung getrunken werden – die Terpenaromatik verliert nach dem zweiten Jahr an Präzision.
Am Tisch
Als Aperitif, zu Spargel mit Sauce hollandaise, zu Ziegenfrischkäse, zu Sushi und Sashimi. Die Kombination aus Muskataroma und trockenem Finish trägt scharf gewürzte asiatische Küche – grünes Thai-Curry, vietnamesische Sommerrollen, Szechuan-Gemüse. Zu Desserts passt er nicht; dafür fehlt die Restsüße.