Detailbeschreibung
Rotwein · Grand Cru · Gevrey-Chambertin · Côte de Nuits
Der Domaine Armand Rousseau Chambertin Grand Cru 2023 ist der Wein, mit dem der Name Rousseau weltweit verbunden wird. Armand Rousseau erwarb seine ersten Chambertin-Reben, nachdem er sich bereits Charmes-Chambertin und Clos de la Roche gesichert hatte; sein Sohn Charles kaufte in den 1990er-Jahren weitere Parzellen hinzu. Heute bewirtschaftet die Domaine 2,55 Hektar in diesem Grand Cru – im Jahrgang 2023 mit einem Ergebnis, das die Fachpresse mit Bewertungen bis 97 Punkte bedacht hat.
Chambertin – das Feld des Bertin
Der Grand Cru Chambertin umfasst nach Angaben der Domaine 12,90 Hektar am Mittelhang südlich von Gevrey-Chambertin, Seite an Seite mit dem Clos de Bèze. Der Name geht der Überlieferung nach auf einen Bauern namens Bertin zurück, der in seinem Feld dieselben Reben pflanzte wie die Mönche von Bèze nebenan. Der Wein gelang so gut, dass man das Stück nur noch nach seinem Besitzer benannte: Champ de Bertin, daraus wurde Chambertin.
Rousseaus Trauben stammen aus drei Parzellen im nach Osten geneigten Hauptteil und aus einer vierten, Larrey genannten Parzelle am Waldrand, deren Zeilen von Nord nach Süd verlaufen. Weil sich das Gelände dort für Maschinen nicht eignet, wird der Boden mit Pferd und Pflug bearbeitet. Der Untergrund wechselt mit der Höhe: Am Mittelhang stehen die Reben auf Entrochenkalk und Mergeln des Bajocium, oben auf tonigen Kalken des Bathonium. Die Auflage ist ein besonders kalkreicher Hangschutt.
Die Domaine beschreibt Chambertin als den Wein der Könige: kraftvoll, dicht und fest gebaut, mit großer Länge und Aromen von Schokolade, Lakritz und kleinen roten Früchten. Im Haus bildet er zusammen mit dem Clos de Bèze die Spitze.
Jahrgang 2023 – Côte de Nuits
Mit 0,2 °C mehr als 2022 war 2023 eines der wärmsten Jahre in Burgund, dazu überdurchschnittlich sonnig. Der Vegetationsbeginn verzögerte sich durch einen kühlen April, erst Ende des Monats wuchsen die Reben kräftig. Am 11. Mai streifte Hagel einzelne Parzellen in Morey-Saint-Denis und Chambolle-Musigny, ohne nennenswerten Schaden. Die Blüte verlief zügig, der Juni war in Frankreich der zweitwärmste seit Messbeginn, Gewitter am 19. und 25. Juni brachten Regen. Nach einer kühlen ersten Augustwoche folgte vom 18. bis 24. August eine Hitzewelle mit 35 bis 36 °C.
Die Reben trugen sehr viel. Rousseau halbierte den Behang im Sommer durch Grünlese und begann die Lese am 7. September; die Alkoholwerte der Weine liegen bei 13 bis 14 %, die malolaktische Gärung war vor Weihnachten beendet. Cyrielle Rousseau zog ein knappes Fazit: Glücklicher mit einem Jahrgang könne man kaum sein. Die Domaine führt 2023 in ihrer Jahrgangstabelle unter den sehr guten bis außergewöhnlichen Jahrgängen mit sehr großer Lagerfähigkeit.
Vinifikation und Ausbau
Gärung in offenen Edelstahltanks, die Trauben weitgehend entrappt, rund 18 bis 20 Tage Maischestandzeit mit Remontage und Pigeage bei höchstens 31 bis 34 °C. Junge und alte Reben werden gemeinsam vinifiziert. Nach dem Pressen in der pneumatischen Presse und kurzem Absetzen läuft der Wein per Schwerkraft in die Fässer, wo der biologische Säureabbau spontan beginnt.
Chambertin und Clos de Bèze sind die einzigen Weine der Domaine, die im Mittel zu 100 % in neuen Barriques reifen – Eiche aus den Wäldern des Allier, mittel getoastet. Der Ausbau dauert 18 Monate mit zwei Abstichen. Gefüllt wird in der Regel im April nach einer leichten Schichtenfiltration, die die Frucht des Pinot Noir schonen soll, per Schwerkraft direkt aus dem Fass.
Im Glas
Die Nase ist noch verschlossen, zeigt aber bereits Schwarzkirsche, Cassis, Pflaume und süße Beerenfrucht, dazu Veilchen, Lakritz, Rauch von Rebholz und Gewürz. Am Gaumen voll und fleischig, nahtlos gebaut, mit pudrigen, gut eingebundenen Tanninen und saftiger, hoch gezeichneter Säure. Muskulöser als der Clos Saint-Jacques, dabei ohne Opulenz – die Struktur steht vor der Frucht. Der Abgang ist lang, floral und weit.
Kein lauter Chambertin, sondern ein vollständiger – mit der Textur, die diesen Grand Cru ausmacht.
Bei 16 bis 17 °C servieren und in jungen Jahren zwei Stunden vorher dekantieren. Der Wein braucht Zeit; Neal Martin (Vinous) spricht von großem Potenzial. Die Domaine gibt Chambertin in Jahrgängen dieser Klasse 25 bis 35 Jahre Lagerfähigkeit. Vor Anfang der 2030er-Jahre sollte man ihn nur aus Neugier öffnen.
Am Tisch
Zu Rehrücken oder Hirschkalb mit Rotweinjus, zu Rinderfilet mit Trüffel, zu Lièvre à la royale oder geschmortem Ochsenbacken. Ebenso zu Fasan und Wildente. Beim Käse passt ein lange gereifter Comté oder der Ami du Chambertin aus Gevrey selbst.